Trendwende auf dem rheinhessischen Ausbildungsmarkt wird sichtbar
Zum Ende des Ausbildungsjahres 2008/09 sind in Rheinhessen so wenige Lehrstellenbewerber als "suchend" gemeldet wie noch nie in der zwölfjährigen Geschichte der regionalen Ausbildungsplatzoffensive: Sechs Bewerber haben sich zur Nachvermittlungsaktion "Tag der Chancengarantie" in der Industrie- und Handelskammer in Mainz und in Alzey angemeldet, um sich von den Ausbildungsberatern der Kammern und den Lehrstellenvermittlern der Agentur für Arbeit einen Ausbildungsplatz, auf eine Einstiegsqualifizierung oder in das Patenprogramm vermitteln zu lassen. IHK-Hauptgeschäftsführer Richard Patzke stellt fest: "Nachdem im vergangenen Jahrzehnt aufgrund geburtenstarker Jahrgänge immer mehr Bewerber mit Ausbildungsplätzen zu versorgen waren, wird jetzt die Trendwende immer sichtbarer. Bald müssen sich die Unternehmen um geeignete Nachwuchskräfte bemühen."
So ergibt sich im Hinblick auf den demografischen Trend der nächsten Jahre die Notwendigkeit, mit neuen Strategien auf die Entwicklung des Ausbildungsmarktes zu reagieren. Schon ab 2010/11 werden infolge geburtenschwacher Jahrgänge immer weniger Lehrstellenbewerber auf den Markt kommen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen werden es zunehmend schwer haben, geeigneten betrieblichen Nachwuchs zu rekrutieren. Der IHK-Hauptgeschäftsführer gibt die Stoßrichtung vor: "Die regionale Wirtschaft muss gerade kleinen und mittleren Betrieben Plattformen schaffen, auf denen sich die Unternehmen als attraktive Ausbilder präsentieren können." Patzke nennt effiziente Berufsinformationsmessen oder die Medienpartnerschaft "Ausbildung bringts" als Beispiele.
In diesem Zusammenhang erwähnt Richard Patzke auch die "Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule, Berufsberatung und Wirtschaft im Bereich der Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung in Rheinland-Pfalz", die zu Beginn des Monats bei der Landesregierung geschlossen wurde: "Jetzt können die Partner aus Wirtschaft, Bildung und der Arbeitsagenturen systematischer an die Aufklärung zur Berufsfindung herangehen und die Vernetzung von Schulunterricht, Berufsinformationsangeboten und Studienberatung verdichten."
So raten die Ausbildungsberater der IHK, dass Jugendliche frühzeitig schon während der Schulzeit den Kontakt zu Betrieben herstellen - beispielsweise durch direkte Ansprache der Firmen oder durch den Besuch von Berufsinformationsmessen - und in den Unternehmen Praktika absolvieren. In Rheinhessen gibt es viele kleine und mittlere Firmen, die innovative Konzepte oder Produkte haben und oft sogar Marktführer in Deutschland oder Europa sind. Patzke meint: "Das sind attraktive Ausbilder, die gerne potenzielle Auszubildende während eines Praktikums auf ihre Eignung als zukünftiger Azubi testen." Und weiter: "Wir appellieren auch an die Eltern, ihre Kinder zu Praktika zu motivieren und sie bei der Berufsfindung nach Kräften zu unterstützen."
Ausbildungsoffensive seit 1998 erfolgreich
Der IHK-Hauptgeschäftsführer erinnert daran, dass die IHK-zugehörigen Firmen in der Region seit nunmehr zwölf Jahren in Folge zusätzliche Lehrstellen geschaffen hätten. Die Gesamtbilanz der rheinhessischen Ausbildungsoffensive wertet er als "Zeugnis unternehmerischen Verantwortungsbewusstseins": Seit 1998 wurde in Rheinhessen die Zahl der Neueintragungen von IHK-Ausbildungsverträgen um 43,8 Prozent gesteigert. Patzke richtet seinen Dank an die Unternehmerinnen und Unternehmern in der Region: "Sie haben überdurchschnittlich hohes gesellschaftspolitisches Verantwortungsbewusstsein bewiesen und unserer Jugend auch in schwierigen wirtschaftlichen Phasen eine Perspektive für die Zukunft geboten."
Dank richtet der IHK-Hauptgeschäftsführer außerdem an die ehrenamtlichen Lehrstellenlotsen, die unter Koordination des ehemaligen Mainzer Oberbürgermeisters Herman-Hartmut Weyel zu der Erfolgsbilanz beigetragen haben. Seit Beginn der Ausbildungsoffensive in Rheinhessen 1998 haben die Lotsen bei 10.781 Betriebsbesuchen 2.751 Lehrstellen zusätzlich zum bestehenden Angebot eingeworben.
Beim Aktionstag "Tag der Chancengarantie" wird den Jugendlichen ein Einzelgespräch angeboten, in dem ihr Berufswunsch mit ihrem Eignungsprofil und den aktuellen Möglichkeiten des Lehrstellenmarktes abgeglichen wird. Sollte sich in absehbarer Zeit trotzdem keine Stelle finden lassen, setzt das Patenprogramm von IHK und HwK ein. Hierbei werden die Bewerber individuell in ihrer Ausbildungsplatzsuche unterstützt von Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik.
Die Nachvermittlungskette, an deren Ende die Ausbildungspaten stehen, ist seit Eröffnung der Ausbildungsplatzoffensive noch nie gerissen. IHK-Hauptgeschäftsführer Richard Patzke blickt zurück: "Seit 1998 haben wir in Rheinhessen mit rein ehrenamtlichem Einsatz jeden ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Lehrstellenbewerber mit einem Ausbildungsplatz versorgt."
Quelle: Pressemeldung Industrie- und Handelskammer für Rheinhessen
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